Leseprobe – Rabengesang

rabengesang

Kapitel 14

Die Stadt Greenville besaß eine vorzügliche Klinik, welche schon seit mindestens hundert Jahren existierte und deren Ärzte seit diesem Zeitraum kranke Patienten behandelten und operierten. Jedenfalls ging es 99 Jahre so.

“Somit wurde das Krankenhaus der ehrenvollen Stadt Greenville restauriert zum hundertsten Jubiläum!”, sprach der Bürgermeister feierlich aus und durchtrennte behutsam das Band, welches die Außenwelt vom Ein- und Ausgang zum Krankenhaus trennte. Die praktizierenden Ärzte und Krankenschwestern stießen mit Sektgläsern an und zelebrierten, jedoch nur für eine Stunde, da immer noch neue Patienten eintreffen würden, vor allem in Notfällen. Einer der nominierten Ärzte der Klinik hieß Brian Stevens. Er war gerade 32 Jahre alt, hatte kurze braune Haare und eine hohe Stirn, was von seiner Intelligenz zeugte. Sein Blick besaß einerseits etwas beruhigendes, wenn man jedoch zulange in seine tiefschwarzen Augen sah, wurde man eingesogen und fühlte sich, als könne man nie mehr entkommen, aus dem Gefängnis, aus diesem Labyrinth aus Schatten. Die Klinik war spezialisiert auf Herzoperationen, deshalb informierte sich Brian so gut es ging über diese und beschäftigte sich mit ihnen auf alle möglichen Weisen. Wie, das zeigt sich früh genug in der Geschichte.

Brian hatte sich im Labor im Keller eingeschlossen und beobachtete durchs hochpräzise Mikroskop einen neuartigen Virus. Seit kurzem wurden einige Menschen infiziert, 90% von ihnen starben, der Rest fiel ins Koma. Der Virus besaß die Form eines perfekten Kreises und der Doktor arbeitete an einem Heilmittel. “Brian!”. Es stieß an die Tür. Erst sehr schnell, so wie das rufen schneller wurde “Brian, helfen sie uns, Brian!” Brian sah auf vom Mikroskop und wollte die Tür aufschließen um nachzusehen, als das Klopfen langsamer und stärker wurde. Die Stimme verblasste langsam. “Bri.. an!” Für einen Moment war es komplett ruhig. Dann fiel das Mikroskop um und die Virusprobe zerbrach. “Scheiße!”, fluchte Brian als er dies sah. Er zog seinen Schlüssel aus dem Kittel. Er täte es jedenfalls, wenn er nicht vorher rausgefallen wär. Er sah auf den Boden und suchte nach ihm. Er fand ihn nicht. Tränen stiegen in ihm hoch und Todesangst ergriff ihn. Er wollte zur Tür sehen, jedoch verschwand sie. Der Raum wurde von einem puren Schwarz ergriffen.

Als dies war vor 5 Jahren vorgefallen. Seitdem wurde nichts mehr von Brian gehört und die Klinik war wie aufgelöst. Sie war in sich zusammengefallen und es brauchte Monate um den Schutt weg zu räumen. Niemand überlebte den Unfall, seitdem herrschte ein Ärztemangel in Greenville. Die Sterberate nahm drastisch zu und somit war die Einwohnerschaft der Stadt kräftig abgefallen. Eines Tages fuhr eine junge Frau durch die Stadt. Sie war 20 Jahre alt und hatte kürzlich den Führerschein erworben, was sie nun in vollen Zügen genießen wollte. Nach einer Feier war sie betrunken in den Wagen gestiegen und losgefahren. Die ersten Minuten lief es gut, sie wurde von keinem Polizisten angehalten. Leider. Es hätte ihr Leben retten können- vielleicht auch doch nicht? Jedenfalls stieß sie später mit einem Lastwagen zusammen. Sie flog durch die Frontscheibe und schlug sich den Schädel an einem Baum ein. Sie war tot und wurde erstmal nicht gefunden bis es tagte. Als sie schließlich entdeckt wurde, wurde sie von einem pechschwarzen Leichenwagen abtransportiert und in die örtliche Leichenhalle geschafft zu einem Pathologen. Er sah die Frau an und lachte hämisch. “Soso”, sagte er. Seine Stimme klang wie das Gekrächze eines Raben. “Eine hübsche junge Dame. Wenn ich mich vorstellen darf,” – er hob den Kopf der Toten an und sah ihr in die Augen “Mein Name ist Brian Stevens.”

Die Tote sah ihn an. Als wäre sie lebendig. Wieso kann ich auf einmal hören und sehen, fragte sie sich. “Du musst Alexandra sein, so steht es in den Akten.” vernahm sich Brian als würde er mit sich selbst reden. Sie sah ihn an. Der Mann war totenblass, seine Haare schimmelten und auf seiner Haut bildeten sich Pestbeulen. Alexandra zuckte innerlich zusammen. “Du lebst noch, jedenfalls dein Geist, mein Mädchen.” Der ehemalige Arzt, jetzt Pathologe sprach mit der selben Stimme, welche er sich angewöhnt hatte als er Diagnosen aussprach, vor allem traurige, welche die Patienten und den Arzt selber bestürzten. “Dies liegt daran, dass du bei mir bist. Du kannst ruhig reden, versuch es. Ich weiß, dass du Angst vor dem Sterben hattest. Weil du noch einen unerfüllten Lebenswunsch hattest. Was wolltest du im Leben erreichen, mein Kind?” “Ich..” Alexandra war erschrocken als sie erkannte, dass sie den Mund bewegen konnte “Ich wollte Politikerin in Greenville werden. Damit ich ein neues Krankenhaus bauen kann und endlich die sterbenskranken Bewohner behandelt werden können!” Brian spürte wie Alexandra innerlich schluchzte. “Außerdem wurde mein Herz gebrochen. Mein Verlobter hatte mich wortlos verlassen. Ich spüre diese Schmerzen in meiner Brust und meiner Seele und sie lassen mich nicht schlafen.”

Brian hatte dem Mädchen das Hemd ausgezogen, sodass er freie Fläche zum operieren besaß. “Wenn ich hier fertig bin,” krächzte er “Wirst du Ruhe finden. Schließe die Augen, dann wirst du keine Schmerzen spüren.” Brian setzte das Skalpell an Alexandras Brust und schnitt langsam in der Mitte entlang. Er hatte den Atem verlangsamt um präzise schneiden zu können und der Geruch modrigen Blutes stieg ihm in die Nase. Brian schob langsam seine Hand in Alexandras Brust und ertastete ihr Herz. Er zog nur die Hälfte dessen heraus. “Hmm”, er dachte nach. “Du sagst dein Herz wurde gebrochen? Wo ist die andere Hälfte?” “Die andere Hälfte,” Alexandra öffnete müde die Augen. “Sie ist verschwunden, damit ich den Schmerz nicht mehr fühle. Ich weinte seitdem nicht mehr und die Angst vor dem Tod ergriff mich, da ich spürte, dass mir etwas wichtiges fehlte.” Brian hatte inzwischen verstanden. Er schnitt sich selbst schmerzerfüllt die Brust auf. Er ertastete sein halbes Herz. Auch seins war zerbrochen, so wie sein Traum, die Bewohner Greenvilles vor dem neuartigen Virus zu schützen, ein Heilmittel zu finden. Er atmete etwas schwerer als sein Herz raus war. Mit Mühe und sich am Arbeitstisch abstützend nähte er mit einer Hand geschickt beide Herzhälften zusammen. Er fiel um nachdem er das Herz in Alexandras Brust gelegt und sie ihre lang ersehnte Ruhe fand. Auch Brians Seele fand Frieden. Da der Virus endlich vernichtet wurde. Er hatte begriffen, dass der Virus von Alexandra ausging, von ihrem zerbrochenen Herzen, dem Virus welcher jedem, den er infizierte das Herz im wahrsten Sinne des Wortes brach und halbierte.

 

 

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